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Formulare & Mustervorlagen im Jugendrecht

In rechtlichen Akutsituationen – ob bei einer polizeilichen Vorladung oder einer Maßnahme des Jugendamts – kommt es auf schnelles, rechtssicheres Handeln an. Formfehler oder unbedachte Aussagen können ein Verfahren bereits in der Frühphase unnötig belasten.

Hier finden Sie praxiserprobte Musterschreiben und Formulare zum kostenlosen Download als PDF sowie als vorbereiteten Text zum direkten Kopieren und Ausfüllen.

Wichtiger Hinweis: Diese Vorlagen dienen der allgemeinen Orientierung und ersten Selbsthilfe. Sie ersetzen keine auf den konkreten Einzelfall abgestimmte Rechtsberatung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Übersicht der Mustervorlagen & Notfallhilfen

Sofort-Download: Notfall-Karte „Erste Hilfe im Strafverfahren“

Für Jugendliche und Eltern: Die 5 wichtigsten Verhaltensregeln bei Festnahme, Hausdurchsuchung oder polizeilicher Vorladung kompakt auf einer druckfertigen DIN-A4-Seite. Ideal zum Falten für den Geldbeutel oder für die Pinnwand zu Hause.


1. Absage polizeilicher Vernehmungstermin & Schweigerecht

Wenn eine Vorladung der Polizei eintrifft, besteht für Beschuldigte keine Pflicht zum Erscheinen (§ 163a Abs. 1 StPO). Um Missverständnisse oder wiederholte Kontaktversuche der Beamten zu vermeiden, sollte der Termin jedoch höflich und unmissverständlich schriftlich abgesagt werden.

  • Rechtsgrundlage: § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO, § 163a Abs. 1 Satz 2 StPO (Schweigerecht)
  • Ziel: Eindeutige Terminabsage, Feststellung des Beschuldigten: Niemand muss sich selbst belasten.">Schweigerechts, Unterbindung informeller Nachfragen vor erfolgter Akteneinsicht.
  • Format: PDF (druckfertig im DIN-5008-Format) & Copy-Text

PDF-Vorlage herunterladen (28 KB) • Zum Ratgeber Vorladung Polizei

[Vorname Nachname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

An die
Polizeiinspektion [Dienststelle / Revier]
[z. Hd. Herrn / Frau Ermittler/in]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], den [aktuelles Datum]

Betreff: Vorladung als Beschuldigte/r im Ermittlungsverfahren
Tagebuch-Nr. / Vorgangs-Nr.: [Aktenzeichen der Polizei]
Betrifft: [Name, Vorname des Jugendlichen], geb. am [Geburtsdatum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

in oben genannter Angelegenheit nehme ich Bezug auf Ihre schriftliche Vorladung zur Vernehmung als Beschuldigte/r vom [Datum des Schreibens] mit dem anberaumten Termin am [Datum des Termins] um [Uhrzeit] Uhr.

Hiermit teile ich [als gesetzliche/r Vertreter/in des / der Minderjährigen / persönlich] mit, dass der anberaumte Termin zur polizeilichen Vernehmung

                      NICHT WAHRGENOMMEN WIRD.

Der / die Beschuldigte macht hiermit ausdrücklich von seinem / ihrem verfassungsmäßigen und gesetzlichen SCHWEIGERECHT Gebrauch (§ 136 Abs. 1 Satz 2 StPO in Verbindung mit § 163a Abs. 1 Satz 2 StPO).

Zur Sache selbst werden gegenüber den Ermittlungsbehörden keinerlei Angaben gemacht. Dieses Schweigen darf zu keinem Zeitpunkt und in keinem Verfahrensstadium nachteilig ausgelegt werden.

Es wird gebeten, von weiteren telefonischen, schriftlichen oder persönlichen Vorladungen und Befragungen ohne vorherige Konsultation eines Rechtsbeistands abzusehen. Über die Beantragung von Akteneinsicht durch eine/n bevollmächtigte/n Rechtsanwältin / Rechtsanwalt und eine etwaige spätere schriftliche Einlassung wird gesondert entschieden.

Mit freundlichen Grüßen

___________________________________________________
[Unterschrift der gesetzlichen Vertreter / des Beschuldigten]
[Vorname und Nachname in Druckbuchstaben]

2. Antrag auf Aufhebung der Beschlagnahme & Herausgabe des Smartphones (§ 111n StPO)

Wurde das Smartphone eines Jugendlichen bei einer Durchsuchung oder Personenkontrolle einbehalten, verbleibt es oft monatelang grundlos bei den Behörden. Sobald die Polizei eine Datensicherung (Image) angefertigt hat oder das Gerät für das Verfahren nicht mehr benötigt wird, besteht ein Rechtsanspruch auf sofortige Freigabe.

  • Rechtsgrundlage: § 111n Abs. 1 StPO (Herausgabe beweglicher Sachen), hilfsweise § 98 Abs. 2 StPO (Gerichtliche Entscheidung)
  • Ziel: Förmliche Aufforderung an die Staatsanwaltschaft zur unverzüglichen Rückgabe des Telefons an den Eigentümer.
  • Format: PDF (druckfertig im DIN-5008-Format) & Copy-Text

PDF-Vorlage herunterladen • Zum Ratgeber Handy-Beschlagnahme & Durchsuchung

[Vorname Nachname des Eigentümers / der Eltern]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]
[Telefonnummer / E-Mail]

An die
Staatsanwaltschaft [Stadt]
[z. Hd. Dezernat für Jugendsachen]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], den [aktuelles Datum]

Betreff: Antrag auf Aufhebung der Beschlagnahme und sofortige Herausgabe des Mobiltelefons gemäß § 111n StPO, hilfsweise § 98 Abs. 2 StPO
Ermittlungsverfahren gegen: [Vorname Nachname des Jugendlichen], geb. am [Geburtsdatum]
Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft: [falls bekannt]
Tagebuch-Nr. / Vorgangsnummer der Polizei: [Aktenzeichen der Polizei]
Sicherstellungs-/Beschlagnahmeverzeichnis vom: [Datum der Beschlagnahme]

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dem oben genannten Ermittlungsverfahren wurde am [Datum] durch Beamte der Polizeiinspektion [Dienststelle] folgendes Gerät sichergestellt bzw. beschlagnahmt:

   Gegenstand: Smartphone / Mobiltelefon
   Hersteller / Modell: [z. B. Apple iPhone 13 / Samsung Galaxy A54]
   Farbe / IMEI-Nummer: [Farbe und Seriennummer / IMEI falls bekannt]

Ich bin der rechtmäßige Eigentümer des genannten Geräts [Kaufnachweis / Vertrag liegt in Kopie bei]. Der Sicherstellung und Beschlagnahme wurde seitens der Betroffenen zu keinem Zeitpunkt freiwillig zugestimmt.

Hiermit beantrage ich namens und im Auftrag des Eigentümers sowie als gesetzliche/r Vertreter/in ausdrücklich die

              AUFHEBUNG DER BESCHLAGNAHME UND SOFORTIGE HERAUSGABE

des genannten Geräts gemäß § 111n Abs. 1 StPO.

Begründung:
Für die weitere Aufrechterhaltung der Beschlagnahme besteht kein gesetzliches Bedürfnis mehr. Sofern das Gerät als Beweismittel in Betracht kommt, war der Ermittlungsbehörde zwischenzeitlich hinreichend Gelegenheit gegeben, eine vollständige forensische Datensicherung (Image) anzufertigen. Die physische Einbehaltung des Telefons ist weder zur Beweisführung erforderlich noch verhältnismäßig. Das Telefon wird für den schulischen und familiären Alltag dringend benötigt.

Hilfsweise wird gemäß § 98 Abs. 2 Satz 2 StPO die gerichtliche Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme durch das zuständige Amtsgericht (Jugendrichter) beantragt.

Ich bitte um schriftliche Bestätigung und Mitteilung, wann und wo das Gerät abgeholt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

___________________________________________________
[Unterschrift des Eigentümers / der gesetzlichen Vertreter]
[Vorname und Nachname in Druckbuchstaben]

3. Erklärung zum Zeugnisverweigerungsrecht der Eltern (§ 52 StPO)

Wenn die Polizei gegen ein Kind ermittelt, versuchen Beamte häufig, die Eltern informell oder als Zeugen zu befragen. Eltern, Geschwister und Großeltern haben ein absolutes Recht zu schweigen. Mit dieser schriftlichen Erklärung unterbinden Sie Vorladungen und unangekündigte Hausbesuche der Ermittler.

  • Rechtsgrundlage: § 52 Abs. 1 Nr. 3 StPO (Zeugnisverweigerungsrecht der Angehörigen)
  • Ziel: Eindeutige Ausübung des Schweigerechts als Angehörige, Schutz der Familie vor Befragungen.
  • Format: PDF (druckfertig im DIN-5008-Format) & Copy-Text

PDF-Vorlage herunterladen • Zum Ratgeber Vorladung Polizei

[Vorname Nachname der Eltern / des sorgeberechtigten Elternteils]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]
[Telefonnummer]

An die
Polizeiinspektion [Dienststelle]
[z. Hd. Herrn / Frau Ermittler/in]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], den [aktuelles Datum]

Betreff: Erklärung zum Zeugnisverweigerungsrecht gemäß § 52 Abs. 1 Nr. 3 StPO
Ermittlungsverfahren gegen unser Kind: [Vorname Nachname des Jugendlichen], geb. am [Geburtsdatum]
Vorgangsnummer / Tagebuch-Nr. der Polizei: [Aktenzeichen der Polizei]
Vorladung zur Zeugenvernehmung vom: [Datum der Vorladung / Kontaktaufnahme]

Sehr geehrte Damen und Herren,

in oben bezeichneter Angelegenheit nehmen wir Bezug auf Ihre Vorladung bzw. Ihre telefonischen und persönlichen Kontaktversuche zur Befragung als Zeugen im Ermittlungsverfahren gegen unser Kind.

Als leibliche Eltern / gesetzliche Vertreter machen wir hiermit ausdrücklich von unserem gesetzlichen

                    ZEUGNISVERWEIGERUNGSRECHT GEMÄSS § 52 ABS. 1 NR. 3 StPO

vollumfänglich Gebrauch.

Wir werden weder zu einem Vernehmungstermin erscheinen noch gegenüber Ermittlungsbeamten mündliche, schriftliche oder telefonische Auskünfte zur Sache, zum Verhalten unseres Kindes oder zu familiären Umständen erteilen. Ebenso verweigern wir gemäß § 55 StPO jegliche Auskünfte, die zu unserer eigenen Belastung führen könnten.

Wir fordern Sie auf, von weiteren Vorladungen, informellen Anrufen sowie unangekündigten Besuchen an unserer Wohnanschrift abzusehen. Unser Entschluss steht endgültig fest.

Für unser minderjähriges Kind weisen wir darauf hin, dass dieses von seinem Recht zu schweigen (§ 136 Abs. 1 StPO) Gebrauch macht und vor einer erfolgten Akteneinsicht durch eine bevollmächtigte Strafverteidigung keine Aussagen getätigt werden.

Mit freundlichen Grüßen

___________________________________________________
[Unterschriften beider Elternteile / des sorgeberechtigten Elternteils]
[Vor- und Nachnamen in Druckbuchstaben]

4. Antrag auf Akteneinsicht beim Jugendamt (§ 25 SGB X)

Beteiligte Eltern haben einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, welche Unterlagen, Gefährdungsmeldungen oder Notizen das Jugendamt über ihre Familie gesammelt hat. Nur wer die Akte kennt, kann gezielt reagieren.

  • Rechtsgrundlage: § 25 Abs. 1 SGB X (Recht auf Akteneinsicht), Art. 15 DSGVO
  • Ziel: Vollständige Einsicht in alle Vermerke des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) und Berichte Dritter; Vorbereitung auf behördliche Termine.
  • Format: PDF (druckfertig im DIN-5008-Format) & Copy-Text

PDF-Vorlage herunterladen (30 KB) • Zum Ratgeber Jugendamt & Familie

[Vorname Nachname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

An das
Jugendamt der Stadt / des Landkreises [Name der Stadt]
[Abteilung / Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], den [aktuelles Datum]

Betreff: Antrag auf Akteneinsicht gemäß § 25 SGB X sowie Art. 15 DSGVO
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: [Aktenzeichen des Jugendamts]
Betrifft: [Name, Vorname des Kindes/Jugendlichen], geb. am [Geburtsdatum]
Personensorgeberechtigte/r: [Name der Eltern / des sorgeberechtigten Elternteils]

Sehr geehrte Damen und Herren,

als personensorgeberechtigte/r Elternteil(e) des oben genannten Kindes beantrage ich / beantragen wir hiermit ausdrücklich die

           VOLLSTÄNDIGE EINSICHT IN DIE ÜBER UNS / UNSER KIND GEFÜHRTEN AKTEN

gemäß § 25 Abs. 1 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch (SGB X) sowie hilfsweise Auskunft nach Art. 15 DSGVO.

Die Akteneinsicht umfasst alle Aktenbestandteile, Gesprächsnotizen, behördlichen Vermerke, Berichte des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) sowie Mitteilungen oder Gefährdungsmeldungen Dritter.

Zur Wahrnehmung der Akteneinsicht bitte ich / bitten wir um:
  [  ] Übersendung vollständiger Kopien der Akte gegen Erstattung der Auslagen an die oben angegebene Anschrift, oder
  [  ] Mitteilung von zwei Terminvorschlägen zur Einsichtnahme vor Ort in Ihren Diensträumen.

Ich bitte / wir bitten um eine schriftliche Bestätigung des Eingangs dieses Antrags sowie um termingerechte Rückmeldung innerhalb von zwei Wochen.

Mit freundlichen Grüßen

___________________________________________________
[Unterschrift der / des Personensorgeberechtigten]
[Vorname und Nachname in Druckbuchstaben]

5. Widerspruch gegen eine Inobhutnahme (§ 42 SGB VIII)

Wurde ein Kind oder Jugendlicher vom Jugendamt gegen den Willen der Eltern in Obhut genommen, muss unverzüglich schriftlich widersprochen werden. Dieser Widerspruch zwingt das Jugendamt gesetzlich dazu, das Kind entweder sofort zurückzugeben oder das Familiengericht einzuschalten.

  • Rechtsgrundlage: § 42 Abs. 3 Satz 2 SGB VIII (Widerspruchsrecht der Personensorgeberechtigten)
  • Ziel: Sofortige Rückführung des Kindes oder zwingende Einleitung eines gerichtlichen Eilverfahrens beim Familiengericht.
  • Format: PDF (druckfertig im DIN-5008-Format) & Copy-Text

PDF-Vorlage herunterladen (29 KB) • Zum Ratgeber Jugendamt & Familie

[Vorname Nachname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

An das
Jugendamt der Stadt / des Landkreises [Name der Stadt]
[Leitung des Jugendamts / Notdienst]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], den [aktuelles Datum]

Betreff: WIDERSPRUCH gegen die Inobhutnahme gemäß § 42 Abs. 3 SGB VIII
Kind / Jugendlicher: [Name, Vorname], geb. am [Geburtsdatum]
Maßnahme vom: [Datum / Uhrzeit der Inobhutnahme]
Aktenzeichen: [falls bekannt]

Sehr geehrte Damen und Herren,

als sorgeberechtigte/r Elternteil(e) des oben genannten Kindes lege ich / legen wir gegen die am [Datum] erfolgte Inobhutnahme hiermit ausdrücklich und formell

                                WIDERSPRUCH

gemäß § 42 Abs. 3 Satz 2 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) ein.

Der Inobhutnahme und der Trennung des Kindes von seiner Familie wird zu keinem Zeitpunkt zugestimmt. Eine akute Kindeswohlgefährdung, die eine Herausnahme rechtfertigen würde, liegt nicht vor.

Gemäß § 42 Abs. 3 Satz 2 SGB VIII fordere ich / fordern wir Sie daher auf:

  1. Das Kind unverzüglich an die sorgeberechtigten Eltern zu übergeben (§ 42 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 SGB VIII), oder
  2. Sofern Sie die Übergabe verweigern, unverzüglich das zuständige Familiengericht anzurufen und eine gerichtliche Entscheidung über das Sorgerecht herbeizuführen (§ 42 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 SGB VIII).

Sollten Sie weder das Kind übergeben noch unverzüglich das Familiengericht einschalten, werden wir unverzüglich selbst beim Familiengericht einen Eilantrag auf Herausgabe des Kindes einreichen und rechtliche Schritte einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

___________________________________________________
[Unterschrift der / des Personensorgeberechtigten]
[Vorname und Nachname in Druckbuchstaben]